Ist Fettleibigkeit genetisch bedingt?

Forscher haben in Studien nachgewiesen, dass ein DNA-Abschnitt für Übergewicht verantwortlich gemacht werden kann. 7 von 1000 Übergewichtigen – wobei hier von krankhaftem Übergewicht die Rede ist – fehlt nämlich ein bestimmter Abschnitt der DNA, auf dem rund 30 Gene vorhanden sind. Dieses Ergebnis konnte durch eine Studie nachgewiesen werden, die im Rahmen eines von der EU finanzierten Forschungsprogramms durchgeführt wurde und an dem das Imperial College in London sowie zehn weitere Forschungszentren in Europa beteiligt waren. Die Forscher gehen nach dieser Studie davon aus, dass das Fehlen der 30 Gene die hohe Gewichtszunahme bewirken kann. Der Genverlust bewirkt damit die Zunahme an Körpergewicht. Damit ist der Beweis erbracht, dass die eher seltene Genvariante für Fettleibigkeit verantwortlich ist. Die genaue Rolle, die die fehlenden Gene spielen, ist jedoch noch nicht erklärbar. Es wird aber davon ausgegangen, dass solch ein Gendefekt auch für bestimmte Auffälligkeiten, wie Autismus oder Verzögerungen in der Entwicklung, verantwortlich sein kann. Dies belegen Studien, die schon früher durchgeführt wurden.

Rund 700.000 Menschen sind es, die in Großbritannien an krankhaftem Übergewicht leiden. Bei rund einem Fünftel der Betroffenen wird davon ausgegangen, dass sie genetische Veränderungen aufweisen. Die fehlenden DNA-Abschnitte könnten eine Erklärung sein. Die Forscher wollen nun konkrete Untersuchungen vornehmen, damit sie geeignete Therapiemöglichkeiten für fettleibige Menschen finden können. Allerdings bringt diese Therapie nur einen Erfolg für die Menschen mit sich, deren Fettleibigkeit in den Genmutationen oder den fehlenden Genen begründet liegt. Die Hauptursache für Übergewicht ist nach wie vor darin zu sehen, dass sich viele Menschen ganz einfach falsch ernähren und sich zu wenig bewegen. Dennoch lässt sich eine Gemeinsamkeit erkennen: Die Menschen, die sich falsch ernähren, reagieren nicht alle gleich auf bestimmte Risikofaktoren, wodurch für sie eventuell die Behandlung, die auch bei einer krankhaften Fettleibigkeit in Frage kommt, relevant sein kann.